Philosophisch und kulturhistorisch kann man Reisen als eine Art Erkunden und Erfahren einer fremden Region betrachten. Goethes Italienreise oder Hans Christian Andersens Reise nach Griechenland und in die Türkei sind nur einzelne Beispiele für diese Art der Reise.

Seitdem hat sich aber viel gewandelt und durch die heutigen technischen Hilfsmittel wie moderne satellitengestützte Navigationssysteme und Geographische Informationssysteme (GIS), die Dank Internet und mobiler Daten auf jedem Computer zuhause und Smartphone sogar im Wald laufen, kann man eine Reise ganz anders als zu Geothes Zeiten planen. Natürlich entgeht einem dann das romantische „Lustwandeln“ durch eine fremde Landschaft mit ungeplanten Naturschauspielen und zufälligen Erlebnissen, aber auf der anderen Seite erspart man sich einen langen Aufstieg, um dann festzustellen, dass es den geplanten Weg seit einiger Zeit nicht mehr gibt, weil er nicht mehr gepflegt wird. Oder eine schwierige Kletterpartie durch unwegsames Terrain, weil der Weg zwar eine lokale Empfehlung ist, aber nicht den eigenen Ansprüchen entspricht. Besonders schwierig wird dies, wenn man mit Kinderwagen und Kleinkind unterwegs ist. Dann ist eine gute Planung und ein fest eingeplanter Rastplatz, ein Plan B bei Regen oder eine gute Stelle für einen Mittagsschlaf manchmal nicht in Gold aufzuwiegen.

Deshalb möchte ich kurz die für mich wichtigsten Apps zur Planung und Durchführung einer Reise vorstellen.
Buchung und Anreise mit den Klassikern

Zum Heraussuchen und Buchen einer passenden Unterkunft verwende ich klassisch die Apps AirBnB und Booking. Bei ihnen finde ich die detaillierten Inserate, die eine genaue Vorstellung der Unterkünfte vermitteln besonders gut. Mit einer Filterfunktion kann man die Unterkünfte nach individuellen Bedürfnissen genau aussortieren. So reisen wir gerne in Unterkünfte mit einer voll eingerichteten Küche zur Selbstversorgung, gerne einem Außenbereich und einem eigenen Badezimmer. Wenn man mit einem oder mehreren Kleinkindern reist, hat man auch besondere Ansprüche zum Beispiel an die Sicherheit von Balkonen, was meist sehr gut auf Fotos zu erkennen ist. Weitere positive Punkte sind die unkomplizierte digitale Bezahlung und der interne Nachrichtendienst mit integrierter Übersetzung, der besonders im Ausland sehr hilfreich ist.

Zur Anreise sind Navigationsapps wie GoogleMaps oder die Karten App von Apple empfehlenswert. So kann man die Anreise und mögliche Pausen genau planen. Bei uns hat sich bisher bewährt, dass wir alle 2-3 Stunden eine kleine Pause mit Bewegen und Snacks für unseren Kleinen einlegen.
Touren planen und vor Ort navigieren

Neben den Klassikern Kompass und Karte, kann man heute auch moderne Navigationsmittel in der freien Natur nutzen. Bei mehrtägigen Touren würde ich immer davon abraten, nur auf digitale Navigation zu setzen, sondern immer eine Karte und einen Kompass für den Notfall einstecken. Für Tagestouren von geringem Umfang find ich aber besonders die zwei Apps komoot und Locus Map besonders gut. Da komoot seit einiger Zeit immer mehr auf Bezahlmodelle und Abos setzt, lohnt sich in der kommenden Zeit meiner Meinung nach auch der Vergleich mit anderen vergleichbaren Apps wie Veloplanner, wobei man immer schauen muss, welche App den eigenen Anforderungen am besten entspricht. Veloplanner ist beispielsweise momentan nur für Radtouren, nicht für Wanderungen.

Die Funktionen der beiden Apps unterscheiden sich in einigen Details und ich verwende sie zu ganz unterschiedlichen Zwecken.
Die App komoot hat eine der weltweit größten Communities in den Bereichen Radtouren, Rennradtouren, Mountainbiking, aber auch Wandern und Laufen. Die Community-Touren können auch in der kostenlosen Version raumbezogen gesucht und gespeichert werden und es stehen einem zahlreiche Informationen wie Community-Fotos und genaue Höhendaten und Untergründe einer Strecke zur Verfügung. Diese Information finde ich besonders wichtig, weil wir mit einem Kinderwagen unterwegs sind und naturbelassene Pfade für uns nur bedingt befahrbar sind. Diese Informationen ermöglichen es einem die gewünschte Tour genau zu planen und die Anforderung individuell zu antizipieren.
Besonders gut ist hierbei, dass diese Informationen auch auf eigen erstellte und geplante Touren zutreffen. Eine integrierte Verknüpfung mit anderen Navigationsapps ermöglicht einem mit dem Smartphone die direkte Anreise zum Beispiel mit Google Maps.
Bei all den positiven Aspekten hat die App aber aus meiner Sicht auch einige Nachteile. So kann man bestimmte Funktionen wie den Export von GPX Dateien und das Abspeichern von Offline Daten nur in der kostenpflichtigen Pro-Version durchführen. Hinzu kommt, dass die internen Karten nicht so detailliert wie möglich sind. Hochsitze, Bänke, Infotafeln etc. werden nicht angereicht.

Aus diesem Grund verwende ich auf einen Tipp hin seit Jahren die App Locus Map. Hierbei muss ich betonen, dass ich mit einem Android-Smartphone arbeite, sodass ich die Verwendung mit einem Iphone nicht kenne. In Locus Map finde ich die Kartengrundlage detaillierter und ich kann besser GPX Dateien importieren und anhand dieser navigieren, da man auch kostenlos Kartenmaterial offline herunterladen kann. So bietet beispielsweise der Naturpark Schwalm-Nette seine Premium-Wanderwege als GPX Dateien und als komoot Link an. Premium Wanderwege des Naturparks Schwalm-Nette
Einzelne Wegweiser, Bänke, Schutzhütten und Hochsitze sind in der auf Openstreetmap basierten Kartengrundlage enthalten. Sehr interessant finde ich, dass es auch für Seekarten eine kostenlose Kartenversion gibt, die openseamap. Natürlich gibt es auch in dieser App die Möglichkeit kostenpflichtige Pakte hinzuzukaufen. Das eigene Einladen und Aufnahmen von Tracks ist auch möglich.
Daher nutze ich komoot zum Planen einer Tour und um Informationen zusammenzutragen, wenn wir aber auf der Tour sind, navigiere ich in spontanen Fällen lieber mit Locus Map.

Wie man eine Route oder Reise plant, muss jeder für sich entscheiden. Die digitalen Hilfsmittel erleichtern aber meiner Meinung nach einen problemlosen und gut geplanten Ablauf ohne unnötige, unschöne Überraschungen. Aber natürlich kann man nicht alles planen und sollte immer offen für Planänderungen sein, oder wie Bear Grylls es in seinem fundamentalen Lebens- und Survival-Mantra ausdrückt:
„Expect the unexpected“
(Erwarte das Unerwartete)
Bear Grylls

Ich wünsche allen viel Erfolg beim Planen und Durchführen eurer Touren. Möget ihr immer Rückenwind und stets Sonnenschein im Gesicht haben.